|
|
|
|
Der Bayerwaldbote berichtet über die Lesung im Dichterturm in Weissenstein bei Regen: 21.10.2011
Die Lesung "Ist doch der Rede wert" Karin Morawetz liest im Fressenden Haus
aus ihrem neuen Buch
Karin
Morawetz bei ihrer Lesung im Fressenden Haus. Die Kinderschuhe spielten in der
Lesung auch eine Rolle. − Foto: Schwittek Weißenstein. Über die Vergangenheit zu
sprechen, "ist doch der Rede wert", wenn man von den Ereignissen hört,
die Karin Morawetz in ihrem gleichnamigen Buch schildert. Sie erlebte eine
Kindheit, die von Entbehrungen, aber auch kindlichen Freuden geprägt war.
Barbara von Schnurbein vom "Freundeskreis Fressendes Haus", die diese
Veranstaltung organisiert hatte, wies in ihrer Eröffnungsrede darauf hin, wie
wichtig es sei, dass sich auch die nachfolgende Generation an diesen Erfahrungen
orientieren könne. Für Karin Morawetz ist die Heimat ein großes
Geschenk, dessen Erinnerung man pflegen muss. Sie hat in dieser Zeit nicht nur
Mangel und Not erlebt, sondern auch Unterstützung erfahren. Sie zieht daraus
die Schlussfolgerung, wie sehr wir uns bewusst sein sollten, wie gut es uns
heute geht und wir dies schätzen. Menschen in armen Ländern müssen rund 70
Prozent ihres Verdienstes für Lebensmittel ausgeben, in Deutschland sind das
nur 13 Prozent, stellte sie fest. In Versform oder als Erzählung berichtet sie
von Erlebnissen aus ihrer Kindheit, z. T. in bayerischer Mundart. So schildert
sie einen Krankentransport bei Schnee und Eis ins 15 Kilometer entfernte
Krankenhaus, wo ihr als Elfjährige der Blinddarm gerade noch rechtzeitig
entfernt wurde. Als Kind hat es sie beeindruckt, dass die Hühner auch ohne
Gockel Eier legen konnten. Ein andermal freute sie sich über Schneeflocken auf
ihrem Gesicht und vergaß ganz, rechtzeitig nach Hause zu gehen. Auf dem Tisch, an dem Karin Morawetz aus ihrem
Buch las, lagen zwei kleine Kinderschuhe, die sie beim Aufräumen des Dachbodens
gefunden hatte. Ihr Vater hatte sie aufgehoben, um sich später an die Kindheit
der Tochter erinnern zu können. Als sie einmal Marschmusik hörte, dachte sie
daran, dass ihr Vater seine geliebte Trompete verkaufen musste, um Schuhe fürs
Kind kaufen zu können. Es war eine Lesung, die zum Nachdenken anregte
und Impulse gab, die auch im eigenen Umfeld verwertbar sind. Die musikalische
Begleitung erfolgte durch Maria Gistl, Harfe, und Max Niedermaier,
Saxophon. − scw |
|