Anton Pech wurde am 12. Dezember 1884 in Morgenthau, Nordböhmen, geboren. An
der Glasfachschule in Haida/Novy Bor erlernte er das Gravurhandwerk. Mit 19
Jahren kam er nach Bayern, in die Glashütte der Steigerwalds in Regenhütte,
wo er als Zeichner und Graveur Arbeit fand. Mit 20 Jahren übernahm er die
Leitung der Gravurklasse in der im Jahr 1904 gegründeten, ersten deutschen
Glasfachschule in Zwiesel, an der er 23 Jahre lang mit nachhaltigem Erfolg
wirkte.
Das Buch beginnt mit Anton Pechs Kinder- und Jugendjahren in Morgenthau in
Nord-Böhmen. Durch zahlreiche Bilder und Dokumente gibt es Einblick in das
damalige Schulwesen und in das Familien- und Berufsleben der ehemaligen
Hochburg für Glasveredler. Dabei werden natürlich die böhmischen
Glasfachschulen und die Kunst der Veredlung besonders angesprochen.
Nach einem Kapitel über den Fachschullehrer Anton Pech wird seine
Leidenschaft zur Fotografie, Malerei und zum Theater aufgegriffen. Viele
Zwieseler und Dörfler werden erstaunt sein, wenn sie im Buch ihre Großeltern
als begeisterte Theaterspieler, Sänger, Feuerschützen, Eisläufer oder
Turner wieder finden.
Über Feldpostbriefe und private Aufzeichnungen erfährt der Leser die
schwierigen Verhältnisse in der Zeit der beiden Weltkriege.
Wanderbeschreibungen von Anton Pech entführen zu den Waldhirten auf den
Schachten.
Ein weiteres Kapitel stellt Anton Pech als Leiter der ersten
Fremdenverkehrsabteilung in Zwiesel vor. Das Ehrenmitglied des Bayerischen
Wald-Vereins warb in ganz Deutschland mit Einfallsreichtum, Ausdauer und
Kompetenz für den Aufbau des Tourismus im Bayerischen Wald, einem
Wirtschaftszweig der heute nicht mehr wegzudenken ist. Viele seiner
damaligen Anregungen werden heute wieder entdeckt.
Auf Pechs Empfehlung wurden Naturschutzgebiete ausgewiesen. Er arbeitete
Wanderwege aus und markierte sie nach einheitlichen Richtlinien. Am Bau der
neuen Schutzhütten auf den Bayerwaldbergen war er ebenso beteiligt, wie am
Bau des heutigen Freibads in Zwiesel. Nach Anton Pech wurden in Bayerisch
Eisenstein und Zwiesel Straßen benannt.
Pech war bekannt für seine Wortschöpfungen, mit welchen er in Prospekten und
Zeitschriften mit großem Erfolg für seine zweite Heimat warb. Den bizarren
Felsen auf dem Großen Arber nannte er „Richard-Wagner-Kopf“ und die
Saldenburg bei Tittling war für ihn die „Waldlaterne“. Mit seinen
einzigartigen Gemälden und kunstvollen Fotographien, von welchen er heute
noch gern gesammelte Postkarten anfertigte, dokumentierte er das Leben der
Bayerwäldler, ihre Kultur und ihre Heimat.
Wie kein Zweiter verstand es der Künstler Freunde von Rang und Namen um sich
zu scharen. Zu seinen engsten Freunden, die im Buch humorvoll ebenfalls eine
Würdigung erfahren, zählten Josef Bayer, Schleifermeister in der ruhmreichen
Glashütte Theresienthal und Erfinder der weltberühmten Gläsernen Uhren, der
respektierte Lehrer und Geologe Professor Dr. Georg Priehäußer, der
unvergessliche Paul Friedl, der originale „Nattern Lang“ und der
Glashüttendirektor Richard Mittinger, „der mit Tintenfässern warf“, um nur
einige zu nennen. Anton Pech war auch der Kristallisationspunkt für
Heimatvertriebene und Verwandte nach 1945 in Zwiesel.
Neben Anton Pechs ausgezeichneten Gemälden und Gravurarbeiten kommen auch
viele seiner herausragenden Kunst-Fotografien zur Erinnerung. Besonders
sehenswert sind die Postkarten, die alte Ansichten z.B. vom Zwieseler
Winkel, Regen, Lam, Deggendorf, Spiegelau, böhmischen Dörfern, wie auch das
Waldler-Braumtum zeigen. Dieses geschichtliche Werk, das auch höchst vergnügliche Geschichten aus
Pechs Freundeskreis enthält, entstand in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein
d’Ohetaler Riedlhütte e.V. und dem Bayerischen Wald-Verein. Unterstützt
wurde es vom „Kultur-fond Bayern“ und der „Kulturstiftung des Bezirks
Niederbayern“.
Die Autoren, die Monate lang ehrenamtlich für dieses Buch recherchierten,
sind Manfred Rimpler, Berlin, der Großneffe von Anton Pech, Marita Haller,
Zwiesel, Mitglied des Kultur- und Presse Ausschusses des Bayerischen
Wald-Vereins und Willi Steger, Kulturbeauftragter und Verlagsleiter des
Ohetaler Verlags, Riedlhütte. Die reich bebilderte Publikation wird von der
Glaskönigin Simone Molz als eine ihrer letzten Amtshandlungen im wahrsten
Sinne des Wortes mit Wasser aus Bayern und Böhmen aus der Taufe gehoben. |